Stellen Sie sich vor, Sie müssten für eine Stunde Licht eine Stunde arbeiten. Genau das war die Realität unserer Vorfahren: Eine Kerze aus Bienenwachs kostete im 18. Jahrhundert so viel, dass sich nur Wohlhabende jeden Abend eine anzünden konnten. Wer abends arbeiten wollte, musste das Licht zuerst verdienen.
Ökonomen haben das in einer einfachen Einheit gemessen: dem Arbeitspreis einer Stunde Licht. Um 1800 musste man in Europa etwa sechs Stunden arbeiten, um eine Stunde Licht zu bekommen. 1880, nach der Petroleumlampe, waren es noch rund fünfzehn Minuten. Heute, mit der LED, etwa eine halbe Sekunde.
Was das Licht veränderte
Billiges Licht hat die Gesellschaft umgebaut. Fabriken konnten in Schichten arbeiten, Kinder abends lesen, Krankenhäuser operieren, Städte nachts sicherer werden. Die Arbeitszeit verlagerte sich vom Tag in die Nacht, und mit ihr der gesamte Takt des modernen Lebens.
Die LED hat das billigste Licht der Menschheitsgeschichte geliefert – für ein Hunderttausendstel des Preises von 1800.
Fortschritt als Preissenkung
Die Geschichte des Lichts ist ein Beispiel dafür, wie Fortschritt im Alltag aussieht: nicht als spektakuläre Erfindung, sondern als stetiges Sinken von Preisen, die niemand mehr beziffert, weil sie selbstverständlich geworden sind. Fast alles, was wir für normal halten – warmes Wasser, schnelle Reisen, Licht auf Knopfdruck –, ist das Ergebnis solcher Preissenkungen.
Vielleicht ist das die beste Definition von Fortschritt: Dinge, die früher nur wenigen vorbehalten waren, werden zur Selbstverständlichkeit für alle. Und die nächste Frage lautet immer: Was ist heute noch zu teuer, das morgen billig sein könnte?