Ein Buch war lange Zeit das teuerste Alltagsobjekt, das ein Mensch besitzen konnte. Im Mittelalter kostete eine handgeschriebene Bibel so viel wie ein kleines Gut – Monatslöhne, manchmal Jahreslöhne. Bibliotheken wurden angekettet, nicht aus Misstrauen, sondern weil ein Buch wertvoller war als ein Pferd.
Der Buchdruck mit beweglichen Lettern veränderte das grundlegend. Was zuvor eine Kopistin in Monaten abschrieb, stellte eine Druckerei in Tagen her. Die Preise fielen, und mit ihnen fiel die Mauer zwischen Wissen und denen, die es sich leisten konnten.
Die Papier- und Dampfrevolution
Doch der eigentliche Preisrutsch kam später. Als im 19. Jahrhundert Papier aus Holzfasern statt aus Lumpen hergestellt wurde und die Dampfpresse den Satz beschleunigte, fielen die Kosten erneut dramatisch. Zeitungen wurden Massenware, Romane erschienen in Fortsetzungen, und Bücher wanderten aus den Regalen der Reichen in die Taschen der Arbeiterklasse.
Jede Preissenkung beim Buch war eine Demokratisierung des Wissens.
Was billige Bücher bewirkten
Die Folgen sind kaum zu überschätzen. Lesen wurde zur Volksfertigkeit, Alphabetisierung zur Norm, politische Ideen verbreiteten sich schneller als jede Armee. Der moderne Arbeitsmarkt, die Wissenschaft, die Demokratie – sie alle setzen voraus, dass Informationen nicht nur existieren, sondern auch bezahlbar sind.
Und die Geschichte ist nicht zu Ende. E-Books und offene Lizenzen haben den Grenzpreis eines Buches nahe an null gedrückt. Was heute noch teuer ist – wissenschaftliche Artikel, Lehrbücher, Nachschlagewerke –, wird morgen vielleicht so selbstverständlich sein wie die Taschenbuchausgabe von 1950.