1969 ging der Cuyahoga River in Ohio in Flammen auf. Es war nicht das erste Mal – der Fluss hatte schon 1868, 1883, 1887, 1912, 1922 und 1936 gebrannt. Aber diesmal sahen es Millionen Menschen im Fernsehen, und das Bild eines brennenden Flusses wurde zum Symbol einer Politik, die Flüsse als Abwasserkanäle behandelte.
Was viele nicht wissen: Flüsse brannten auch in Europa. Der Rhein war in den 1960er Jahren biologisch weitgehend tot, die Seine und die Themse auch. In den USA bezeichnete man den Cuyahoga als einen Fluss, der "nicht schwimmt, sondern sickert".
Wie die Wende gelang
Die Rettung der Flüsse ist eine der großen, selten erzählten Erfolgsgeschichten der Umweltpolitik. Sie begann mit Messungen: erst als man den Sauerstoffgehalt, die chemische Belastung und die Artenzahlen systematisch erfasste, wurde das Problem sichtbar und vergleichbar. Dann kamen Gesetze – der Clean Water Act in den USA, die Wasserrahmenrichtlinie in Europa –, Kläranlagen und Grenzwerte, die tatsächlich durchgesetzt wurden.
Erst als man die Flüsse maß, konnte man sie retten.
Zurück im Fluss
Heute kehren Lachs und Otter in Flüsse zurück, in denen seit Generationen niemand mehr geangelt hat. Der Rhein ist wieder fischbar, die Themse beherbergt wieder Robben. Das ist kein Naturgesetz, sondern das Ergebnis von Institutionen, die sich durchsetzen konnten – und von Bürgern, die gemessen, protestiert und abgestimmt haben.
Die Geschichte der Flüsse widerlegt den billigen Fatalismus, dass Umweltschutz zwangsläufig Wohlstand kostet. Man kann Industrie und sauberes Wasser gleichzeitig haben. Es braucht nur Zahlen, Regeln und den Willen, sie durchzusetzen.